Frühling und Blumen wie damals

| Text und Fotos: Thomas Grumböck |

Egal, wen man heuer trifft: Der Smalltalk läuft immer gleich ab. Entweder geht’s um Corona oder ums Wetter. Oder um die Kombination aus Corona und Wetter – ums Coronawetter sozusagen. Auf gut Garstnerisch hört sich das dann so an: „Des depperte Virus und des elendige Sauwetta hamma braucht, ha? Dass sowos möglich sein kann!“

Der ORF-Meteorologe und unermüdliche Klima-Aktivist Marcus Wadsak erklärte übrigens kürzlich, dass der 2021er-Frühling der kälteste seit 25 Jahren war. Alle Österreicherinnen und Österreicher, die nach 1996 geboren wurden, haben so ein Wetter wie heuer also noch nie erlebt. Kälte im Frühjahr war somit auch für meine beiden Söhne, acht und zwölf Jahre alt, völlig neu. Meine beiden Buben heißen Florian und Leo. Vor zwei oder drei Jahren haben sie am 31. März die Badesaison unseres Schwimmteichs eröffnet. Das „Märznkeuwi“, vor dem ich als Kind von der Großmutter immer gewarnt wurde, kennen meine Buben gar nicht. Auch, dass man bei der Ostereier-Suche früher oftmals durch den Schnee stapfen musste, können sie bis heute nicht glauben. Mit Ostern verbinden sie eher, dass der Urli-Opa beim ostersonntäglichen Familienfest gleich zweimal wegen der Hitze kollabiert ist. Beim ersten Mal kam die Rettung, im Jahr darauf wurde der Urli von meiner Frau versorgt, die in weiser Voraussicht ihren ärztlichen Notfall-Koffer zur Feier mitgenommen hatte.

Wir wohnen auf der Garstner Höhe. Der Hang war für viele ältere Garstnerinnen und Garstner einst eine beliebte Rodelwiese. Als Buben haben wir uns oft eine Piste ausgetreten und eine Sprungschanze gebaut, auf der wir samt allen Nachbarskindern wochenlang unseren Spaß hatten. Ich weiß nicht, wie oft meine Buben bisher Gelegenheit hatten, unsere „Leitn“ mit der Rodel zu bewältigen. Vielleicht waren es insgesamt vier oder fünf Tage, an denen genug Schnee lag. Deutlich öfter mussten mir meine Jungs in den Wintern der vergangenen Jahre bei der Holzarbeit zuschauen. Erst waren es die kaputten Eschen, 2019 kamen dann auch noch vertrocknete Fichten dazu. Sie waren über den Sommer braun geworden.

Und was hat das alles mit Blumen zu tun? Meine Großmutter – also die mit dem „Märznkeuwi“ – war Pharmazeutin und kannte alle Blumen, Kräuter und Gräser, die auf den heimischen Wiesen wuchsen. Auch die lateinischen Namen der Pflanzen wusste sie auswendig. Sie hat mir alle Blumen gezeigt, so dass ich mit sechs oder sieben Jahren fast ein kleiner Botaniker war.

Heute, 40 Jahre später, ist mein Blumenwissen so mager wie manche Wiesen. Aber Blumen in der Wiese gibt’s ja leider eh immer weniger. Der Grund dafür ist ein Teufelskreis: Immer weniger Bauern halten immer weniger Vieh, so dass immer weniger Heu benötigt wird. Entsprechend viele Wiesen werden nicht mehr mit dem Balkenmäher gemäht, sondern mit dem Mulchwerk eingeschlägelt. Die verrottenden Schnittreste überdüngen den Boden. Folge ist, dass das Gras immer dichter wird und die Blumen verdrängt. Irgendwann kommen dann die Brennnesseln und die Brombeerstauden, die den Rest erledigen und eine nahezu blumenlose „Gstettn“ hinterlassen.

Umso wichtiger – und beeindruckender – ist die Blumenwiese, die „Garsten for Future“ rund um den Fischaufstieg angelegt hat. Ich durfte die Blüten kürzlich mit der Kamera „pflücken“. Deshalb endet dieser Blogbeitrag mit einer kurzen, fotografischen und vor allem blühenden Wissensauffrischung zum Thema Blumen. Viel Spaß beim Durchscrollen und vielen Dank an dieser Stelle an Lisi Quinonez, die die Pflanzen kennt und benannt hat.

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Margarite
1
Leimkraut
3
Schafgarbe
5
Kornrade
11
Lichtnelke
21
Klatschmohn
24
Roter Inkarnatklee
26
Wiesenfuchsschwanz-Gras
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