Auch Fahrräder brauchen Parkplätze

| Text und Foto: Thomas Grumböck |

Die Förderung des Radverkehrs wird von vielen Menschen (und vielen Menschen aus der Politik) oft einzig und allein durch die Errichtung neuer Radwege definiert. Radwege sind extrem wichtig, sie sind die Basis für den Erfolg, das ist unbestritten. Sie sind aber nicht das einzige Mittel, um den Radverkehr attraktiver zu gestalten. Es gibt auch Maßnahmen, die weniger kosten und dennoch viel bringen. Radständer zum Beispiel. Während normgerechte Autoparkplätze an allen Ecken und Enden des Landes wie selbstverständlich vorhanden sind, findet man brauchbare Radabstellanlagen noch immer viel zu selten. Brauchbar heißt bei einem Radständer eigentlich nur, dass das Gerüst halbwegs massiv gebaut und fest im Boden verankert sein sollte – und so hoch ist, dass man sein Fahrrad daran anlehnen und den Rahmen des Bikes mit einem guten Fahrradschloss – am besten einem Bügelschloss – am Ständer befestigen und sichern kann. Die Sicherungsmöglichkeit ist das wichtigste. Ist sie unzureichend, wird ein halbwegs gutes Fahrrad an diesem Radständer schlichtweg nicht abgestellt werden. Gelegenheit macht Diebe – und ein schlechter Radständer ist eine gute Gelegenheit.

Im Garstner Ortszentrum erfüllt leider nur eine Radabstellanlage die Anforderungen: jene beim Bahnhof. Dabei wäre der Wille, Radständer aufzustellen, in Garsten durchaus vorhanden. Viele Geschäftsinhaber und Dienstleister denken an den Radverkehr und haben Konstruktionen vor der Tür stehen, von denen sie glauben, dass es Radständer wären. Allerdings ist gut gemeint nicht immer auch gut. Das sieht man beispielsweise beim Radständer des ADEG-Marktes. Das Eisengestell ist zweifellos als Radständer gedacht. Allerdings ist es zu niedrig und so verbogen, dass es kaum sinnvoll zu gebrauchen ist. Es steht vermutlich dort, weil es immer schon dort gestanden ist.

Auch das Therapiezentrum Garsten meint es mit seinem Radständer sicherlich gut. Leider fällt er wie geschätzte 90 Prozent aller Radständer in Österreich in die Kategorie „Felgenkiller“. Etwas besser ist der Radständer der Apotheke. Er ist hoch genug, so dass man das Bike reinschieben und anlehnen kann. Das Gestänge ist allerdings verdächtig dünn und nicht am Boden befestigt. Nur mit Bauchweh würde ich mein E-Bike hier anhängen.

Dass die Form der Funktion folgen sollte, ist ein Design-Leitsatz, der aus unerfindlichen Gründen beim Radständer erstaunlich oft gebrochen wird. Musterbeispiele für unbrauchbares Produkt-Design sind die Radständer vor dem Gemeindeamt und rechts neben der Raiffeisen Bank. Den Radständer vor der „Gmoa“ habe ich bislang immer übersehen, ich dachte, es wäre eine Art Sitzbank oder ein Hindernis, damit niemand sein Auto hier parkt. Der Raika-Ständer ist besonders schön, zeigt eine geschwungene Spirale und würde sich als Skulptur in jeder Kunstgalerie gut machen. An den Schlitzen, die die Reifen aufnehmen sollten, scheitert jedoch schon ein normaldicker Mountainbike-Reifen. Ähnlich die Situation vor der Trafik: Der Radständer ist zwar passend in Marlboro-Rot lackiert, für die Felge aber ebenso schädlich wie die Marlboro für die Lunge.

Nun zu den Radständern, die es gar nicht gibt. Dass das örtliche Schuhgeschäft (übrigens eines der besten im Lande) voll auf Fußgeher setzt und auf einen Radständer verzichtet, sei an dieser Stelle entschuldigt. Auch die Frisörin, die es im vergangenen Jahr Corona-bedingt alles andere als leicht hatte, verzichtet auf einen Radständer. Auch irgendwie verständlich: Eine frische gewickelte Dauerwelle will man bzw. frau nicht mittels Radhelm gleich wieder zerstören. Wenige Schritte neben der Frisörin fällt mir beim Info- und Begegnungszentrum von „Garsten for Future“ Am Platzl 8 ein Sprichwort ein. Frei und etwas „gfeanzt“ übersetzt lautet es in etwa so: „Wer im Glashaus sitzt, sollte einen Radständer haben“. Tatsächlich steht in der Nähe der „GfF“-Zentrale ein Radständer. Wer ihn aufgestellt hat, weiß ich allerdings nicht. Sollte er nicht „Garsten for Future“ gehören und die abgestellten Räder wie ein Kuckucksei in einem fremden Nest parken, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass „Garsten for Future“ diesen Lapsus beheben und bald einen eigenen Radständer haben wird. Schließlich wachsen im Garten der Selbstkritik gesunde Pflanzen, wie es in einem anderen Sprichwort heißt 😉

Abschließend noch ein kurzer Abstecher zur Covid-Teststraße im Mehrzwecksaal: Innen ist ein negatives Ergebnis ja was durchwegs Positives. Warum aber draußen die Suche nach einem Radständer negativ ausfallen muss, weiß niemand. Vermutlich hat in der ganzen Pandemie-Hektik niemand daran gedacht, dass Testwillige auch mit dem Drahtesel kommen könnten. Das Rad derweilen beim Garstnerbad zu parken, ist keine gute Idee. Mit einer an der Klingel befestigten und gebrauchten FFP2-Maske stünde das Bike jedenfalls sicherer als in dieser zwischenkriegszeitlich anmutenden Abstellanlage.

Warum mir die Radständer so wichtig sind? Weil sie fast nix kosten, den Radverkehr aber immens erleichtern. Rund 30 Prozent der österreichischen Pkw-Jahresverkehrsleistung sind Fahrten bis maximal fünf Kilometer. Auf diesen Kurzstrecken steigt der Treibstoffverbrauch bei der Autonutzung schnell auf zehn Liter pro 100 Kilometer oder mehr. Wer auf der Kurzstrecke aufs Rad umsteigt, tut sich, seiner Gesundheit, der Umwelt und dem Klima ohne großen Aufwand viel Gutes. Es braucht nur ein bisschen Motivation und ein bisschen Infrastruktur.


1 Auto weniger – Platz für 9 Fahrräder mehr

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