Ein gutes, ein sehr gutes Zeichen

| Text und Fotos: Thomas Grumböck |

Die erste Forelle ist da!

Frühlingserwachen. Endlich. Im Vergleich zu meiner Kindheit war der Winter zwar ein Witz, gefühlt dauerte er heuer aber so lange wie noch nie. Lockdown halt. Auch stimmungsmäßig.

Zwei Termine heute. Kurz was Am Platzl erledigen und dann noch was auf der Ennsleite. Also rauf aufs E-Bike und ab die Post. Ich bin ein fauler Hund. Dass sportlichere Pedalritter meinen motorisierten Drahtesel als „Elektromoped“ verunglimpfen, stört mich nicht. Ich fahre, die anderen schwitzen.

Egal, wohin ich muss, ich nehme praktisch immer den Schiffweg. Bei den Jüngeren und den Zuagroasten heißt er Ennsmeile, bei den Älteren und bei mir Schiffweg. Der Schiffweg ist mein persönlicher Rad-Highway. Seit die Fischleiter beim Kraftwerk Garsten fertig ist, nehme ich ihn noch öfter als früher.

Der Termin Am Platzl ist erledigt, durch den Stiftshof geht’s jetzt zum Brückerl neben dem Häfen, wo ich links zur Stocksporthalle abbiege. Ich liebe diesen alten und doch so neuen Weg und fahre im Schneckentempo das Bachgeläuf der Aufstiegshilfe entlang. Ich bin Fischer und will Fische schauen. Wo steht er, der Huchen? Oder ist vielleicht eine Äsche drin, eine Forelle oder ein Weißfisch?



Beim Boigersteg steht ein alter Mann und raucht eine Zigarette. Er stampert mich an: „Absitzen steht hier auf dem Schild!“. Ich sitze nicht ab, fahre langsam und wortlos am Herrn vorbei und ärgere mich über ihn. Aber nur kurz. Dann ärgere ich mich über mich selbst. Wäre ich abgestiegen, hätte ich ein gutes Vorbild abgegeben und der alte Mann wäre zufrieden gewesen. Wahrscheinlich hält er jetzt alle Radler für rücksichtslos. Und das wegen mir. Mich plagt das schlechte Gewissen.

Bei der Eisenbahnbrücke kommt mir der alte Mann wieder in den Sinn. Ganz Vorbild, sitze ich jetzt ab und schiebe das Bike über die Brücke. Das ist zwar zeitraubend, aber ich kann besser Fische schauen. Unter der Brücke ein Spitzenplatz für den Huchen, hier werden immer wieder Exemplare mit einer Größe von einem Meter plus gesichtet. Schon von Weitem blitzt mir beim rechten Brückenpfeiler was ins Auge. Vielleicht eine Äsche? Dann die Enttäuschung: Es ist ein Einkaufswagen, den irgendwer von der Brücke ins Wasser geworfen hat. Da gehört schon viel dazu, dass man sich das antut. Erst musste der Wagen – vermutlich vom Lidl – gestohlen werden. Dann musste er zur Brücke und den steilen Weg rauf auf die Brücke geschoben werden. Ein mühsames Unterfangen bei den kleinen Rädern eines Einkaufswagens. Außerdem liegt überall Streusplit. Schlussendlich musste das schwere Trumm noch über das Geländer gehievt und von der Brücke geworfen werden. Eine Schnapsidee.

Der Termin auf der Ennsleite ist zügig absolviert. Zurück geht’s über den Schiffweg auf der Ulricher Seite. Dort schaue ich nicht nach den Fischen, sondern nach dem Biber. Der war fleißig in den vergangenen Wochen, ein Holzknecht ist da nix dagegen.



Vom frisch gefällten Baum mach ich ein Foto, damit ich es meinen Kindern zeigen kann. Ich bin gespannt, wer sich am Schluss durchsetzen wird. Der Biber, die Baumschützer, der Wegerhalter? Jedenfalls sollte man sich mit dem Biber nicht direkt anlegen, mit ihm ist nicht gut Kirschen essen, das habe ich an der Steyr schon live gesehen.

Entlang des Bachgeläufs bis zur Stocksporthalle halte ich wieder Ausschau nach den Fischen. Mir fallen die beiden Stockenten auf, die immer dort sind, wenn ich vorbeifahre. Auf einmal sehe ich das ersehnte Ringerl auf der Wasseroberfläche. Es ist eine Forelle, um die 35 cm groß, sie steigt nach einem Insekt. Wenn die Forelle den Aufstieg nutzt, ist das ein gutes, ein sehr gutes Zeichen.

Das Handy läutet. Meine Frau ist dran. Ich soll schnell was mitnehmen vom ADEG. Sekunden später bin ich dort, mit dem E-Bike geht das ratzfatz. Wie gesagt, ich bin ein fauler Hund. Aber ich stehe dazu. Apropos stehen: Kennt wer den Radständer vom ADEG? Der ist eher ein „Radlieger“, so verbogen ist dieses Eisengestänge. Über die Radständer von Garsten könnte man auch schreiben, denk ich mir. Vielleicht nach Ostern? Jetzt ist aber mal Pause – Blogdown sozusagen.

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